Welche Gruppe von Verschwörungstheoretikern leistet dem qualvollen Tod von Millionen Menschen aktiv Vorschub? Genau: Die AIDS-Leugner. Wenn man diesen hirnamputierten Kotzbrocken Leuten im Internet begegnet, und von ihnen als „HIV-Gläubige“ enttarnt wird, dann klingt das so:
Mit dem industriellen Völkermord in Afrika durch die zwangssteuerfinanzierte Verabreichung von AIDS Pharmacocktails an Menschen mit gewöhnlichen armutsbedingten Durchfallerkrankungen hat Sarah Tietze offensichtlich keine Probleme. http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2469
Da macht sie gar selber propagandistisch mit, von ihrer guten Sache überzeugt wie weiland Sozialist Josef Goebbels von der seinen. Wird natürlich noch ein paar Jahre dauern, bis auch der letzte Depp erkannt hat, daß AIDS nicht von HIV verursacht wird, und ach ja, wie hätte man das damals als gewöhnlicher Deutscher wissen können, Auschwitz lässt grüssen.
Klar, den damaligen Nazis haben die Leute mit den Auschwitz-Legenden damals auch gerade noch gefehlt. Soll ja auch damals publizierende Staatshuren und -Stricher gegeben haben, denen vor Ort nichts ungewöhnliches auffiel. Den zu ihrer eigenen Sicherheit Gefangenen ginge es ausgezeichnet, usw. Ist hübsch bequem alles mit Verschwörungstheorie zu bezeichnen, was einem nicht in den zutiefst rassistischen Kram passt. Lieber glaubt Frau Superaufgeklärt, Neger vögelten den ganzen Tag in der Gegend rum, und deshalb habe ganz Afrika AIDS. Aber ist scho recht, eure Grosseltern haben sich ja auch eher über den Kaiser Wilhelm aufgeregt, statt mal die Augen um sich herum aufzumachen.
Wer zum industriellen Massenmord an Afrikanern schweigt oder sogar dafür eintritt, braucht nicht über Nazis herzuziehen, er ist schlimmer, denn damals mussten die Menschen um ihr Leben fürchten, wenn sie nicht ignorant waren. Heute aber ist es reine Bequemlichkeit, die Augen vor den Verbrechen zu schliessen, die im Namen einer menschenverachtenden Wissenschaft in tiefstem Rassismus an den Ärmsten der Welt verübt werden. Freut Euch auf die Fragen eurer Enkel!
AIDS-Leugnung ist eine astreine Verschwörungstheorie im Popperschen Sinne:
„Diese Theorie behauptet, dass alle Ergebnisse, sogar jene, die auf den ersten Blick von niemandem beabsichtigt zu sein scheinen, die beabsichtigten Resultate der Handlungen von Menschen sind, die an diesen Resultaten interessiert sind“.
Hier ist also die verschwörungstheoretische „Cui Bono-Logik“ in ihrer ganzen dümmlichen Simplizität am Werk. Mit dieser „Logik“ gelingt es auch wunderbar, George Bush für den 11/9 verantwortlich zu machen oder Frau Schmidt von Nebenan für den Regen gestern, weil der ihren Blumen so gut getan hat. Und nach dieser Logik kann auch nicht das HI-Virus AIDS verursachen, sondern die „Profitgier“ der Pharmaindustrie, der Ärzte und Wissenschaftler steckt hinter der „AIDS-Lüge“. Das Dumme ist nur, dass dieser klassische Denkfehler hier noch nicht mal verfängt. Für alle, die es irgendwie noch nicht mitgekriegt haben: Die Mehrzahl der HIV-positiven Menschen lebt südlich der Sahara und von weniger als zwei Dollar pro Tag. Nicht gerade die beste Zielgruppe im betriebswirtschaftlichen Sinne.
Sämtliche „Thesen“ der AIDS-Leugner sind von Wissenschaftlern in extenso widerlegt worden. Aber das spielt natürlich keine Rolle für ihre Verfechter. Generell zeigt sich bei diesen Zeitgenossen, wen wundert es, ein befremdliches Wissenschaftsverständnis: Wissenschaft bestünde aus „Dogmen“, die alle Wissenschaftler immer nur nachplappern würden. Das gilt natürlich nicht für die wenigen Forscher, die als AIDS-Dissidenten auf ihre Seite stehen.
Was, wenn nicht AIDS, ist für den Tod unzählige Menschen, die als AIDS-Tote klassifiziert wurden, denn dann verantwortlich? Besonders überzeugend oder wenigstens originell fallen die Antworten der AIDS-Leugner darauf nicht aus: Da besonders Homosexuelle Partydrogen konsumieren würden, wären diese in Wirklichkeit für die Krankheit verantwortlich. Tote Afrikaner erklärt man vor allem mit „Unterernährung“ und „Durchfallerkrankungen“. Warum dann in Afrika in erster Linie Menschen zwischen 19-45 Jahren an der Krankheit sterben und Kinder und Alte auf wundersame Weise davon verschont bleiben, dass wissen nur die AIDS-Leugner.
AIDS-Leugner, die selbst HIV-positiv sind, sorgen dafür, dass der Satz „Wenn Dummheit wehtun würde…“ nicht hypothetisch bleibt. Da die modernen antiretroviralen Medikamente ihrer Meinung nach giftig sind und sowieso nur ein Trick der Pharmariesen, um den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, verweigern sie diese Behandlung. Aus meiner Sicht ist es wirklich kein Grund zur Trauer, wenn Leute, die zu blöd sind die Segnungen der modernen Medizin anzunehmen, von uns gehen. Anders sieht es aus, wenn darunter hirnverbrannte Ignorantinnen sind, die die Infektion an ihre Kinder weitergegeben haben und diese nicht behandeln lassen. In solchen Momenten zweifle ich an meiner Ablehnung der Todesstrafe.
Ich bin keine Medizinerin und überlasse die Entlarvung von Quacksalbern in der Regel den vielen naturwissenschaftlich gebildeten Skeptikern. Als Sozialwissenschaftlerin interessieren mich mehr die Auswirkungen dieser Verschwörungstheorie auf Politik und Gesellschaft. Anhand des Wirkens der AIDS-Leugner kann man meiner Meinung nach ersehen, dass auch in der heutigen Zeit Menschen, die Verschwörungstheorien verbreiten, für unendliches Leid und vielfachen Tod verantwortlich sind.
Wenden wir uns zuerst einem besonders prächtigen Exemplar dieser überflüssigen Spezies zu: Dr. Matthias Rath. Die moderne AIDS-Therapie, die schon unzähligen Menschen das Leben gerettet hat, wird von ihm als Komplott der Pharmaindustrie zum Zweck des Genozids diffamiert. Aber keine Bange, Dr. Rath hält eine Lösung bereit: Mit seinen selbst entwickelten Vitaminpräparaten kann er Krebs und AIDS heilen. In Deutschland hat Herr Dr. Rath bereits einen krebskranken Jungen auf dem Gewissen, dessen verzweifelte Eltern den Quacksalbereien dieses Scharlatans mehr vertrauten, als der „Schulmedizin“.
Als ihm der Boden in Deutschland zu heiß wurde, verzog sich der feine Herr Doktor nach Kapstadt. Dort eröffnete er so gleich mehrere Kliniken in den Townships, wo viele Infizierte leben, und pries seine Präparate an. Er ging so gar soweit, „Studien“ an HIV-positiven Menschen zur Überprüfung der Wirksamkeit seiner Vitaminpräparate zu beginnen. Außerdem ließ er noch durch eine groß angelegte Werbekampagne verkünden, dass die modernen antiretroviralen Medikamente giftig wären. Die Justiz in Südafrika sieht das offenbar anders. Mittlerweile hat der High Court in Kapstadt Dr. Rath vorläufig das Handwerk gelegt und ihm seine „Studien“ und seine Werbung untersagt. Auch in Südafrika kam es bereits zu Todesfällen aufgrund von Dr. Raths Wirken.
Die Diskussion zu Herrn Raths Wikipedia-Einträgenauf Deutsch und Englisch macht deutlich, mit welchen Methoden und „Argumenten“ er und seine Helfershelfer arbeiten. Sie bietet auch gute Beispiele Rath’scher Verschwörungslogik: Alle, die seinen kruden Ideen nicht folgen mögen, sind im Sold der Pharmaindustrie.
In Südafrika fielen Raths gefährliche Hirngespinste natürlich auf besonders fruchtbaren Boden, denn dort sorgen Präsident Mbeki und seine Gesundheitsministerinnen (sowohl die jetzige Dr. Manto Tshabalala-Msimang, als auch ihre Vorgängerin, Dr. Nkosazana Dlamini-Zuma) dafür, dass die kranke Logik der AIDS-Leugner offizielle Regierungslinie ist. Angesichts von 5 Millionen HIV-positiven Südafrikanern ist das eine Katastrophe. Hier geht es nicht mehr „nur“ um individuelle Tragödien, wie sie Quacksalber wie Dr. Rath zu verantworten haben. Wenn politische Entscheidungsträger solchen gefährlichen Ideen anhängen, dann sind Millionen von Menschen betroffen.
Die Versäumnisse und Verbrechen der südafrikanischen Regierung beim Thema AIDS sind Legion und gut dokumentiert. Die Highlights seien hier noch einmal in aller Kürze vorgestellt.
Da wäre einmal die Virodene-Affäre. Zwei südafrikanische „Wissenschaftler“ entwickelten 1997 das „AIDS-Heilmittel“ Virodene. Dummerweise war die wichtigste Zutat dieser Wundermedizin nichts anderes als ein industrielles Lösungsmittel. Das südafrikanische Medicines Control Council, das für die Zulassung von Arzneimitteln verantwortlich ist, machte unmissverständlich deutlich, dass es die Verwendung dieses „Medikaments“ nicht genehmigen wird. Das hielt Präsident Mbeki nicht davon ab, Virodene und die „Forscher“ hinter diesem Projekt zu unterstützen. Nachdem Menschenversuche mit Virodene vom Medicines Control Council in Südafrika untersagt worden waren, leitete er diese in Tansania in die Wege. Dort gelang es schließlich das Verteidigungsministerium davon zu überzeugen, Virodenen an Soldaten zu testen. Das tansanische Gesundheitsministerium hatte vorher jede Zusammenarbeit mit den Virodene-„Forschern“ rundheraus abgelehnt. Mbeki ließ es sich natürlich trotz alledem nicht nehmen, immer wieder in der Öffentlichkeit die Machenschaften der bösen Pharmalobby anzuprangern, die aus Profitgier über bevorzugt afrikanische Leichen geht. Mbeki selber soll übrigens kräftig in Virodene investierte haben. Untersucht wird das in Südafrika, wo Mbekis ANC, eine Zweidrittelmehrheit hat, natürlich nicht.
Aber wir wollen dem armen Präsidenten jetzt nicht unterstellen, AIDS ließe ihn kalt. Der gute Mbeki war von der ganzen AIDS-Geschichte sogar so mitgenommen, dass er anno 2000 nach Feierabend mal ein bisschen zu dem Thema im Netz gesurft hat. Auf diese Art meinte er dann herausgefunden zu haben, dass HIV vielleicht gar nicht AIDS verursacht. Seine Frau Ministerin ist sich bei diesem Thema auch alles andere als sicher und verweigert lieber gleich die Aussage, wenn sie danach gefragt wird. Nachdem der nationale und internationale Druck zu groß geworden war, beschloss das südafrikanische Kabinett 2002, dass „HIV AIDS verursacht“ und beendete so vorerst die peinlichen Diskussionen um die geistige Zurechnungsfähigkeit von Mbeki und seiner Ministerin. An der grundsätzlichen Einstellung dieser zwei Hobby-Virologen hat das nichts geändert.
So wurden schwangeren Frauen in Südafrika antirerovirale Medikamente bis 2002 vorenthalten, obwohl Forscher, Ärzte, Journalisten und Aktivisten immer wieder darauf aufmerksam machten, dass nur so die Gefahr einer Übertragung der Infektion von der Mutter auf das Neugeborene gebannt werden kann. Erst ein Gerichtsurteil, das von einer NGO erwirkt wurde, konnte die Regierung dazu bewegen, ihre tödliche Verweigerungshaltung aufzugeben und das auch nur unter dem Protest von Frau Tshabalala-Msimang.
Aber Frau Dr. (ja, Dr. med!) Tshabalala-Msimang hat durchaus ein Herz für sterbende AIDS-Kranke und spart daher nicht mir hilfreichen Tipps: Knoblauch, Zitronen, rote Beete und Olivenöl (am besten kalt gepresstes), ist auch gut gegen AIDS. Es muss ja nicht immer die teure „westliche“ Therapie mit den giftigen Medikamenten sein! Davon überzeugte die Ministerin zusammen mit einer obskuren holländischen Ernährungsberaterin auch Nozipho Bhengu, die infizierte Tochter eines ANC-Abgeordneten. Sie setzte 2001 ihre Medikamente ab und folgte fortan den Ernährungstipps der zwei „Expertinnen“. Sie starb 2006, im Alter von 32 Jahren.
Man könnte meinen, Südafrika habe vielleicht schlicht nicht die finanziellen Mittel, um seine 5 Millionen Infizierten zu versorgen und das wäre der Grund für das gelinde gesagt seltsame Verhalten von Mbeki und Co. und ihren pathologischen Hass auf die moderne Medizin und die “Pharmalobby”. Weit gefehlt.
Die Pharmafirmen hat beim Thema AIDS-Medikamente tatsächlich keine weiße Weste. Aufgrund der Patente, die sie auf diese lebensrettenden Mittel haben, können sie hohe Preise verlangen. Dadurch rückte eine Therapie für die Mehrheit der Infizierten, die nun mal in Entwicklungsländern zu finden sind, lange Zeit in weite Ferne. Aber Patenrechte stehen nicht über dem Recht auf Leben. In Staaten wie Thailand, Indien und Brasilien hat sich eine blühende Generika-Industrie etabliert, die Kopien patentgeschützter AIDS-Medikamente herstellt. Das TRIPS-Abkommen, welches das internationale Patentrecht reguliert, erlaubt zudem sowohl die Herstellung als auch die Einfuhr von Generika im Falle eines nationalen Notstands, wie er bei einer AIDS-Epidemie vorliegt. Diese wurde 2001 während der Doha-Runde der WTO noch mal ausdrücklich bekräftigt. Dank der Generika-Industrie und des unermüdlichen Kampfes von AIDS-Aktivisten weltweit sind die Preise für antiretrovirale Medikamente schon vor Jahren so weit gesunken, dass eine Versorgung HIV-positiver Menschen in Afrika in greifbare Nähe gerückt ist. In Südafrika tat sich dabei besonders die Treatment Action Campaign hervor. Sie zwang die südafrikanische Regierung durch jahrelange hartnäckige Kampagnen dazu, den Import von Generika per Gesetz zu legalisieren. Dies führte zwar 2001 zu einer Klage großer Pharmafirmen vor dem Supreme Court, die diese aufgrund des öffentlichen Drucks aber wieder zurückzogen. Dieses Ereignis hatte internationale Signalwirkung und wurde zum Startschuss für die Verwendung von Generika beim Kampf gegen AIDS weltweit. Umso bizarrer mutet es an, des gerade die Treatment Action Campaign, deren Vorsitzender Zackie Achmat für den Friedensnobelpreis nominiert war, von Dr. Rath als „Schattenorganisation der Pharmaindustrie“ beschimpft wurde.
Wenn ein Land in Afrika die Mittel hat, um aus eigener Kraft AIDS entgegen zutreten, dann Südafrika. Mit Uganda findet sich ein afrikanisches Beispiel, wie erfolgreicher Kampf gegen AIDS auch in weitaus ärmeren Staaten funktionieren kann. Anhand von Brasilien kann man sehen, wie ein anderes Schwellenland in einer ganz ähnlichen Situation mit dieser Herausforderung umgegangen ist. Von Südafrika kann man leider nur lernen, was geschieht, wenn Menschen die Verschwörungstheorien anhängen Führungspositionen innehaben. Obwohl auch die ANC-Regierung mittlerweile ein Bekenntnis zur flächendeckenden Versorgung mit antiretroviralen Medikamenten abgelegt hat, hat sich auf diesem Gebiet noch viel zu wenig getan. Eine Studie der Universität Kapstadt schätzt, dass die katastrophale AIDS-Politik der ANC-Regierung 343.000 Menschen das Leben gekostet und 170.000 Neuinfektionen verursacht hat.
“Hirnamputierte Kotzbrocken” ist ein noch viel zu milder Ausdruck für AIDS-Leugner. Massenmörder trifft es besser.



[...] dazu findet sich bei der Netzklempnerin. Und dort bedingt genauer [...]
Hallo Netzklempnerin,
hier ist der Gegenbesuch.
Esowatch ist noch im Aufbau, aber wir haben Paralex-Texte in unser Wiki übernommen.
Hier zum Thema AIDS-Leugner:
http://esowatch.com/index.php?title=HIV-Aids_Leugnung
Mit verschwörerischem Gruß,
Cohen
Wahnsinn! Diese Anzahl an Opfern hätte ich niemals erwartet. Wir haben dich jetzt übrigens in unserem Esoblog verlinkt, schon gemerkt?
@Thoams Xavier: Danke!
Ja, ich war auch erschrocken als ich die Zahlen sah, aber nicht wirklich überrascht. Man kann, wie immer bei solchen Extrapolationen, bestimmt den einen oder anderen Kritikpunkt an der Studie finden, aber letztlich sind ein “paar Opfer” plus/minus bei solchen Zahlen auch schon egal. Traurig aber wahr.
[...] für den ebenfalls die Werbetrommel gerührt wird. Über diesen Zeitgenossen habe ich bereits hier ausführlich [...]